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PE und Fitness 2026: Die Konsolidierungswelle verstehen

L Catterton, Gainline und Anytime Fitness zeigen 2026 drei PE-Strategien, die unabhängige Studiobetreiber verstehen müssen.

Overhead view of a modern gym with lined equipment and a suited figure surveying the space in warm golden light.

Drei Deals, ein Playbook: Was die großen PE-Bewegungen 2026 wirklich bedeuten

Wer die Fitnessbranche 2026 verstehen will, muss drei Transaktionen zusammen lesen. L Catterton übernimmt HYROX, Gainline Capital strukturiert einen Continuation Fund für Core Health, und Anytime Fitness kauft INTERVAL Sport in Frankreich. Auf den ersten Blick drei separate Deals. In Wirklichkeit drei Varianten desselben Private-Equity-Playbooks.

L Catternons Einstieg bei HYROX ist klassisches Brand-Platform-Investing. Man kauft keine Fitnessstudios, man kauft eine globale Bewegungskultur mit Event-IP, Merchandising-Potenzial und einer Community, die sich selbst reproduziert. Das Ziel ist nicht EBITDA-Optimierung in Jahr eins. Das Ziel ist Markenwert-Aufbau über mehrere Plattformen hinweg, mit Sport als Anker.

Gainlines Continuation Fund für Core Health funktioniert anders. Hier werden bestehende LP-Mittel in ein neues Vehikel überführt, um einen bereits performenden Asset länger zu halten, anstatt ihn zu einem suboptimalen Zeitpunkt zu verkaufen. Das ist kein Exit. Das ist die Entscheidung, dass der Asset noch nicht ausgereizt ist. Für Betreiber bedeutet das eine fundamentale Botschaft: Top-Fitnessassets gelten inzwischen als Long-Duration-Holds, nicht als Quick-Flips.

Das Screening-Raster: Welche Kennzahlen PE-Investoren 2026 wirklich interessieren

Wenn du als unabhängiger Betreiber jemals auf dem Radar eines PE-Fonds landen willst, musst du verstehen, wie das Screening funktioniert. Die Kriterien, die 2026 den Ausschlag geben, sind konsistenter als je zuvor. Wiederkehrende digitale Umsätze, ein Net Promoter Score über 60, eine Mitglieder-Payback-Period unter zwölf Monaten und EBITDA-Margen über 18 % auf Club-Ebene. Das ist das Raster. Wer es nicht erfüllt, kommt gar nicht erst in die Datenraum-Phase.

Der ACG PE Weekly M&A Roundup für den Zeitraum 4. bis 10. September 2026 zeigt Fitness erstmals in einer Prioritätsliste mit Healthcare und Consumer Wellness. Deal-Multiples für Premium-Club-Assets bewegen sich zwischen 8x und 12x EBITDA. Das bedeutet: Ein Studio mit 500.000 € bereinigtem EBITDA kann realistisch eine Bewertung von 4 bis 6 Millionen € erwarten. Vorausgesetzt, die Zahlen stimmen wirklich.

Was sich 2026 verändert hat, ist die Gewichtung von digitalen Einnahmen. Ein Club, der 20 % seines Umsatzes über App-Abonnements, Online-Kurse oder Hybrid-Mitgliedschaften generiert, wird deutlich höher bewertet als einer mit identischem EBITDA, aber rein analogem Modell. Der Grund ist einfach: Digitaler Umsatz ist standortunabhängig skalierbar und erhöht die Resilienz bei Standortrisiken. PE-Käufer rechnen das direkt in den Multiple ein.

Frankreich als Testlabor: Warum INTERVAL Sport nur der Anfang ist

Frankreich ist der spannendste Fitnessmarkt in Westeuropa, weil er der am stärksten unterentwickelte ist. Die Marktdurchdringungsrate liegt bei 6 %, während Großbritannien und die USA jeweils über 15 % liegen. Für PE-Fonds mit Konsolidierungsstrategie ist das eine der attraktivsten White-Space-Situationen, die es gerade gibt.

Anytime Fitness hat mit dem Kauf von INTERVAL Sport genau das erkannt. Man übernimmt keine Studios einzeln. Man kauft ein bestehendes Netzwerk, eine lokale Marke mit Mitgliederbasis und nutzt das als Sprungbrett für Franchising oder eigenständiges Rollout. Das Muster ist bekannt: Markt identifizieren, lokale Plattform akquirieren, skalieren. Frankreich bietet dafür demografisch und wirtschaftlich die Voraussetzungen.

Für unabhängige Betreiber in Frankreich, aber auch für solche in ähnlich unterentwickelten Märkten wie Spanien oder Italien, folgt daraus eine klare Implikation. Entweder man positioniert sich aktiv als Akquisitionsziel, indem man die Kennzahlen-Hausaufgaben macht. Oder man rüstet sich für den Wettbewerb gegen gut kapitalisierte Ketten, die in den nächsten 24 Monaten aggressiv expandieren werden.

Überleben oder akquiriert werden: Die strategische Entscheidung für unabhängige Betreiber

PE-Konsolidierung schafft für unabhängige Studios einen spezifischen Wettbewerbsdruck, der sich von traditionellem Preiswettbewerb unterscheidet. Neu kapitalisierte Ketten werden keine Preiskämpfe führen. Sie werden Dateninfrastruktur, personalisiertes Marketing und Member-Experience-Systeme einsetzen, die ein einzelner Betreiber schlicht nicht replizieren kann, egal wie gut das Team ist.

Das bedeutet, Preis ist kein nachhaltiger Differenzierungshebel mehr. Was bleibt, ist das, was PE-Strukturen strukturell schlecht abbilden können: echte Community, Coach-Identifikation, Programmtiefe und lokale Verwurzelung. Das klingt weich, ist es aber nicht. Ein NPS über 60 entsteht fast ausschließlich durch diese Faktoren, und genau dieser NPS ist einer der härtesten Screening-Parameter im PE-Raster.

Die konkrete Strategie für Betreiber, die nicht verkaufen wollen, sieht so aus:

  • Coach Retention priorisieren: Mitglieder binden sich an Persönlichkeiten, nicht an Marken. Fluktuation im Coaching-Team ist ein direkter Angriff auf die Bindungsrate.
  • Programmtiefe aufbauen: Spezialisierte Formate, die nicht in Ketten-Templates passen, schaffen eine Angebotsmoat, die Kapital allein nicht kaufen kann.
  • Community-Infrastruktur sichtbar machen: Events, Challenges, soziale Momente. Das, was eine Mitgliedschaft in eine Zugehörigkeit verwandelt.
  • Einen digitalen Umsatzpfad entwickeln: Selbst 10 bis 15 % digitaler Umsatzanteil verändert die Bewertungslogik und die Resilienz des Geschäftsmodells.
  • NPS aktiv messen: Wer seinen Score nicht kennt, kann ihn nicht steuern. Monatliche Messung ist das Minimum.

Die Continuation-Fund-Logik von Gainline zeigt übrigens auch, was für Betreiber mit Verkaufsabsicht gilt. Exit-Readiness bedeutet 2026 nicht mehr, dass man für einen schnellen Trade-Sale optimiert. Es bedeutet, einen Asset zu bauen, den ein Käufer fünf bis sieben Jahre halten will, weil er sich in dieser Zeit weiter entwickelt. Das verlangt andere Investitionen, andere Metriken und eine andere Wachstumserzählung.

Die drei Deals dieses Jahres sind kein Rauschen. Sie sind ein Signal. Fitness ist aus Sicht des institutionellen Kapitals endgültig in der Kategorie „reife, skalierbare Consumer-Verticals" angekommen. Wie du darauf reagierst, entscheidet darüber, ob du in fünf Jahren Teil der Konsolidierung bist oder Zeuge davon.